Einen Blick auf die Karte kann ich nur empfehlen. 3490 Einträge gibt es. Von der Döner war hier früher besser, über fehlende Straßenbeleuchtung, Fahrrad-Auto-Konflikte bis hin zu Ärger über Tourist:innen gibt es viel zu finden.
Bei meiner Scrollerei durch die Karte lande ich auch bei meiner ehemaligen Schule, dort schreibt jemand, dass dringend ein Zebrastreifen hermuss. Das habe ich vor 20 Jahren auch schon festgestellt. Einen weiteren Blick werfe ich auf eine Kreuzung bei der Erdberger Lände - dort ärgere ich mich auch schon jahrelang über die Ampelschaltung. 5 Einträge finde ich dazu.
Rund um meinen Arbeitsort, das Albert Schweitzer Haus, regen sich Menschen über den Baustellenlärm, die überdimensionierte, neue U5-Station Frankhplatz oder auf dem Gehsteig stehende Medizinstudierende auf. Gleichzeitig beschweren sich Medizinstudierende, über den fehlenden Platz im öffentlichen Raum, wenn sie kurz frische Luft schnappen wollen.
Auf den ersten Blick klang die partizipative Karte lustig für mich. Ein Ort, an dem Wiener:innen ihren Grant rauslassen können. Vielmehr gibt es jedoch einen wissenschaftlichen Hintergrund, Architekt:innen und Stadtplaner:innen möchten herausfinden, wie Menschen ihr Umfeld tagtäglich erleben. Einträge gehen an Forschende an Universitäten, auch Magistratsabteilungen können bei Bedarf die Daten bekommen. Ende 2026 soll der erste "Suderreport" erscheinen.
Ich selbst sudere auch gerne im Alltag über die verschiedensten Dinge. Öffis stehen ganz oben auf der Liste, aber auch Ampelschaltungen, rücksichtslose E-Scooterfahrer:innen oder Autos regen mich immer wieder zur Beschwerde an. Sinnvoll wird das Ganze, wenn sich dadurch etwas ändert.
Vielleicht ist Wien auch so eine lebenswerte Stadt, weil die Bewohner:innen gerne sudern und es Stellen gibt, die zuhören und dann Dinge ändern. Der Vater meiner besten Freundin ärgerte sich immer über einen Bus, der regelmäßig 3 Minuten vor geplanter Abfahrtszeit wegfuhr. Bei einem Takt von 30 Minuten durchaus ärgerlich. Er rief bei den zuständigen Verkehrsbetrieben an und eine Lösung wurde gefunden. Es gibt eine Haltestelle, an der Busse warten können, ohne den Verkehr zu blockieren und die Fahrer:innen werden gebeten, dort zu warten, falls sie zu früh dran sind und so kann der Bus nach Fahrplan fahren.
Sudern ohne Verbesserungsvorschläge nervt mich oft. Aber Sudern, um Veränderungen und Verbesserungen für sich selbst und alle Mitmenschen in der Stadt zu erreichen - ist doch eigentlich eine wirklich feine Angelegenheit!
Falls jemand Lust bekommen hat, sich über etwas in der Stadt aufzuregen, hier geht's zum Wiener Suderplan.

