Seitenbereiche:
  • zum Inhalt [Alt+0]
  • zum Hauptmenü [Alt+1]

Hauptmenü schließen
  • Home
  • blog
  • Veranstaltungen
  • Schwerpunkte
  • über uns
  • English
  • Newsletter
  • Gewaltschutz
  • AGBs
  • Impressum
  • Datenschutz
Hauptmenü:
  • Home
  • blog
  • Veranstaltungen
  • Schwerpunkte
  • über uns
  • English
  • Newsletter

Hauptmenü anzeigen
Inhalt:
Was Geschichte mit uns macht

Fünf Orte, unterschiedliche Rahmenbedingungen – und erstaunlich viele Menschen, die bereit waren, sich an einem Vormittag, Nachmittag oder Abend auf eine 400 Jahre alte Geschichte einzulassen...

Mehr als 100 Menschen am Bauernkriegsdenkmal in Wolfsegg, bei strahlender Spätsommersonne und mit Blick auf die Alpen. 30 Menschen, die zur Mittagszeit 38 Grad auf der Linzer Landhauspromenade trotzten. Mehr als 200, die sich bei schwülem Maiwetter auf eine kleine Lichtung im Emlinger Holz bei Eferding drängten, bevor diese – kurz vor Schluss – binnen zehn Minuten wegen Sturmwarnung verlassen und geräumt werden muss. Dazu Veranstaltungen am geschichtsträchtigen Pinsdorfer „Bauernhügel“ und vor dem wohl noch bekannteren Frankenburger „Würfelspielhaus“.

Fünf Orte, unterschiedliche Rahmenbedingungen – und erstaunlich viele Menschen, die bereit waren, sich an einem Vormittag, Nachmittag oder Abend auf eine 400 Jahre alte Geschichte einzulassen (mehr Infos hier).

 

Was bei den Veranstaltungen eigentlich passiert ist, lässt sich vielleicht am besten mit dem etwas sperrigen Wort „Erinnerungskultur“ beschreiben. Wobei es genau darum eigentlich nicht ging. Jedenfalls nicht um Erinnerung im Sinne eines gemeinsamen, möglichst einheitlichen Bildes davon, wie der Oberösterreichische Bauernkrieg von 1626 zu verstehen sei. Vielmehr ging es um die Frage, was diese Geschichte heute mit uns macht.

Das war der Ausgangspunkt der Reihe „Denk mal an den Bauernkrieg – OÖ 1626: Meine, deine, unsere Geschichte?“, die das ASH Forum und das Evangelische Bildungswerk Oberösterreich im Rahmen der communale oö 2026 an fünf historische Orte führte. Ziel war die Entwicklung einer polylogischen Erinnerungskultur – also einer Erinnerung, in der unterschiedliche Perspektiven nicht zu einer einzigen Erzählung geglättet werden, sondern miteinander ins Gespräch kommen.

 

Dafür wurden ausgerechnet jene Orte neu in den Blick genommen, die Geschichte bis heute vor allem repräsentieren: die Bauernkriegsdenkmäler. Ihre oft ziemlich eindeutige Formensprache erzählt von Helden, Opfern, Widerstand und Niederlage und legt damit auch eine bestimmte Lesart der Vergangenheit nahe. Für die Veranstaltungen wurden diese Denkmäler gewissermaßen umfunktioniert: vom Ort des Gedenkens zum Ort des Austauschs.

Und wer dort zusammenkam, hätte unterschiedlicher kaum sein können. Menschen unterschiedlichen Alters, Männer und Frauen, Menschen jeder politischen Couleur, aus Landwirtschaft, Kirche, Wissenschaft, Kunst, Medizin, Politik und Bildung, Jugendliche und Ältere. Entsprechend unterschiedlich waren die Bedeutungen, die 1626 plötzlich bekam.

 

Für die einen wurde die Vergangenheit zur Verpflichtung: genauer hinzusehen, wenn Menschen unterdrückt oder ausgebeutet werden, oder das Andenken an die „Vorfahren“ in Wort und Tat zu wahren. Für andere formte sich die Geschichte zur Mahnung – zur Toleranz, zum Frieden, zur Glaubens- und Gewissensfreiheit, vielleicht auch dazu, die Folgen von Gewalt nicht zu romantisieren. Wieder andere zogen Parallelen zur Gegenwart und fragten danach, wie es heute um die wirtschaftliche und gesellschaftliche Stellung der Landwirt:innen bestellt ist. Und immer wieder tauchte eine vielleicht ganz einfache, aber gar nicht so einfache Forderung auf: die Perspektive des anderen einzunehmen.

 

Diese Vielfalt war kein Nebeneffekt, sondern Teil des Konzepts. Bei jeder Veranstaltung wurden auch die Besucher:innen selbst einbezogen und anhand vorbereiteter Leitfragen miteinander ins Gespräch gebracht. Geschichte wurde damit nicht bloß präsentiert, sondern zur gemeinsamen Denk- und Gesprächsaufgabe. Denn sobald wir fragen, was uns diese Geschichte heute sagen soll, sind wir mitten in der Gegenwart. Wir suchen in der Vergangenheit Vorbilder und Warnungen, Rechtfertigungen und Mahnungen. Wir erkennen uns selbst wieder – und hoffentlich manchmal auch die anderen.

 

Vielleicht ist das die schönste Pointe einer Veranstaltungsreihe über einen Aufstand von vor 400 Jahren: Am Ende wurde gar nicht so sehr über 1626 gesprochen, sondern über uns. Über Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit, Macht und Ohnmacht, Freiheit und Verantwortung – und darüber, wie schwer es fällt, die eigene Perspektive für einen Moment zu verlassen.

„Meine, deine, unsere Geschichte?“ Das Fragezeichen war gut gewählt. Denn eine gemeinsame Geschichte bedeutet nicht, dass wir alle dasselbe in ihr sehen. Vielleicht bedeutet sie zunächst nur, dass wir bereit sind, einander zuzuhören.

 

zurück

top
  • Facebook
  • Instagram
  • YouTube
ALBERT SCHWEITZER HAUS - Forum der Zivilgesellschaft
Schwarzspanierstrasse 13 / 1090 Wien T+43/1/4080695-0
office@ash-forum.at
Öffnungszeiten
Montag 10:00–14:00
Dienstag 10:00–14:00
Donnerstag 10:00–14:00
  • Gewaltschutz
  • AGBs
  • Impressum
  • Datenschutz
nach oben springen