…man will ja nicht zu denen gehören, die man selbst weiterhin ein stückweit verachtet...Sargnagel mit der kleinen Eigentumswohnung würde meinen, man gehöre plötzlich zu „den eigenen Feindbildern“ (Iowa, 2025). Eventuell kindisch und sinnlos und auch unverfroren denen gegenüber, die es sich wirklich nicht leisten können – kann sein.
Im Preis macht das Bett im Lager mit Hüttenschlafsackkomfort und dem Bett im Zimmer mit gestellter frisch gewaschener Bettwäsche kaum ein Unterschied. Hüttennächtigungen gehören wohl heute eher zum Lifestyle und sind weniger ein Notschlafplatz für Gestrandete in den Bergen – da ist auch der Lagerplatz für Bergvereinsmitglieder keine Ausnahme. Heißt so viel wie, eine Bergtour inklusive Übernachtung muss man sich auch leisten können!
Zurück zur Geschichte: im Lager sieht zunächst alles nach einem guten Schlaf aus – ein Pärchen und wir. Alle verhalten sich ruhig - das Licht geht aus. Drei Hüttenschlafsäcke liegen noch unberührt zwischen uns. Nach einer Weile kommen drei Menschen mittleren Alters herein, sie sind noch kurz bestens gelaunt … der Lachkrampf ist fast ansteckend. Und dann geht alles ganz schnell: Schnarchen ertönt. Nicht das Schlimmste, aber doch ist es mir unmöglich einzuschlafen.
Die Schnarchenden im Lager kann man ja nicht einfach rüberrollen, wie man das mit der Großtante damals gemacht hat. Eine kurze „schnell einschlafen bevor es wieder losgeht“- Schnarchpause will man erreichen. Das Naheverhältnis für Anstupsen ist auf der Alm dann doch nicht gegeben. Nach halbdurchwachter Nacht, es ist „Hütten - Early Morning“: die drei Schlafnachbar:innen unterhalten sich erneut bestens gelaunt auf einer mir nicht geläufigen Sprache. Gegenseitiges versichern, wie wohltuend der Schlaf in diesen Höhen ist? So hört es sich für mich an. Jetzt kann ich rüberzischen, dass sie doch bitte nicht so laut sprechen mögen. In Gedanken ergänzt um: „Hier, schlafen Menschen, die die halbe Nacht kein Auge zugemacht haben.“
Über den Tag geht mir durch den Kopf, wie schräg das ist, dass die Nächte im Lager für die Einen ein Horror sein können (Sonnenaufgang überm Neusiedlersee mal abgesehen) während diese für die Anderen „best experience“ sind. Können die Anderen sich vorstellen, wie es mir ging? Und lässt sich das auf andere Dinge umlegen? Für die Einen super und für die Anderen furchtbar? Wie wäre das, wenn wir einen Seitenwechsel vornehmen könnten? Dann gehören wir einmal zu den Einen und sind das nächste Mal schon bei den Anderen! Bei Schnarchen zugegeben eher schwierig.
Seitenwechsel passieren im Leben auch ganz automatisch – aber wir vergessen gerne, dass es sie gibt. Ein paar Beispiele, wo bei mir Seitenwechsel stattfinden oder stattgefunden haben:
- Pumuckl schauen: Als Kind bedingungslos auf Seiten des Kobolds. Als Elternteil von Kleinkindern bedingungslos auf Seite des Meister Eder.
- Zeitgleich eine Eigentumswohnung zur Vermietung anbieten und selber in Mietpreisverhandlungen zu sein.
- Wahrnehmung des öffentlichen Raums: Parkplatzsucherin im 7. Bezirk (nach dem Transport von Heurigenbänken) versus Radlfahrerin und Stadtbewohnerin
Konkret gemacht, Schnarchen ist nichts Böswilliges und kann vom Verursacher nicht eingestellt werden. Brauchen wir eine „Anstupsvereinbarung“ auf der Alm? Oder buche ich das nächste Mal einfach ein Bett im Zimmer, weil guter Schlaf im Alter wichtig ist und tagsüber toleranter macht? … wir werden sehen.
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