Seit die Sommerferien begonnen haben, kamen immer wieder Abwesenheitsnotizen auf meine Mails zurück. Manchmal kamen innerhalb der nächsten Stunden auch richtige Antworten von der eigentlich urlaubenden Person. Ich bin dann immer kurz irritiert – Arbeitsmails beantworten im Urlaub? Das passt für mich nicht zusammen.
Während ich die Sommertage bei meiner besten Freundin und ihrer Familie auf deren kleinen Bauernhof in Dänemark genieße, bin ich für sämtliche Anfragen meinen Job betreffend nicht verfügbar. Ich habe weder meinen Arbeitslaptop noch mein Diensthandy dabei und von meinen privaten Geräten logge ich mich prinzipiell nicht in meinen Arbeitsaccount ein.
Sollte ein Notfall passieren haben meine Kolleg:innen im ASH Forum meine private Nummer. Was so ein richtiger Notfall im Bildungsbereich ist, weiß ich selber nicht genau. Ich muss an eine Lehrende während meines Studiums Deutsch als Fremd- und Zweitsprache denken, sie meinte: „Sie werden Deutsch unterrichten, wir operieren niemanden am offenen Herzen. Wenn Sie Fehler machen oder mal was nicht gut funktioniert, niemand stirbt dran.“
Einmal während meiner fast schon 4 Jahre im ASH Forum wurde ich im Urlaub wegen eines „Notfalls“ kontaktiert. Es ging darum, ob ich im letzten halben Jahr eine Rechnung ausgestellt hätte – in meiner völligen Entspannung und sowohl physisch als auch geistig sehr weit vom ASH Forum entfernt, konnte ich mich nicht daran erinnern und meine Auskunft war eher eine Vermutung.
Vor kurzer Zeit las ich über eine Umfrage, durchgeführt von Karriere.at. 1001 Menschen wurden befragt und 45% gaben an im Urlaub regelmäßig E-Mails zu lesen oder telefonisch erreichbar zu sein. Gleichzeitig spürt jede vierte Person diese ständige Erreichbarkeit als Belastung. Wirft man einen Blick auf Führungskräfte mit Personalverantwortung, geben von diesen sogar nur 14% an, im Urlaub gar nicht erreichbar zu sein. Von Arbeitnehmer:innen ohne Personalverantwortung geben immerhin 35% an, gar nicht erreichbar zu sein.
Im Gegensatz zur oft gelebten Praxis sagt das Arbeitsrecht, der Urlaub dient der Erholung. Arbeitgeber:innen dürfen ihre Mitarbeiter:innen im Urlaub (oder auch im Zeitausgleich) in der Regel nicht kontaktieren. Tun sie das dennoch, wird der Urlaub unterbrochen und alles, was im Zusammenhang mit der Arbeit erledigt wird (sei es nur ein kurzes Telefonat) zählt als Arbeitszeit.
Ich bin froh über die doch recht strengen Arbeitsgesetze in Österreich, die Arbeitnehmer:innen schützen sollen, und obwohl ich meinen Job wirklich sehr gerne mag, freue ich mich auf den Urlaub (der dringend nötig ist), um danach voller Energie wieder zurückzukommen.

