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Leben mit der besten Freundin des Menschen

Nicht oft erlebe ich meine Wohnung ohne Hund. Letzte Woche war ich ein paar Tage lang nicht zuhause. Meine Familie passte in dieser Zeit auf meinen Hund auf. Ich kam spät an und ließ sie eine weitere Nacht dort. Mal Ruhe, dachte ich. Schlafen konnte ich allerdings nicht. Mir wurde klar, eine Nacht ohne Hund fühlt sich leer an.

Meine Hündin Miel begleitet mich durch viele Lebensphasen. Es wird in einem Monat 12 Jahre her sein, dass sie in mein Leben kam. Sie stammt von einer Tierschutzorganisation, die Hunde von einer Tötungsstation aus Nitra in der Slowakei vermittelt. Angekündigt als männlicher Hund namens Burt, kam ein weiblicher 3 Monate alter Wirbelwind in mein Leben. Die ersten Tage nannte ich sie Süße – daraus wurde später Miel – französisch für Honig – auch in Anlehnung ihres Fells. Als ich sie bekam war ich 22 Jahre alt, mitten im Bachelor Studium und arbeitete als Musikredakteurin bei verschieden Medien. Durch das Studium und meinen Job war ich flexibel und hatte kaum fixe Arbeitszeiten. Je älter ich wurde desto schwieriger war es Arbeit und Hund unter einen Hut zu bringen. Ihre Wirbelwind-Momente hat sie teilweise noch immer. Doch mittlerweile überwiegt mit 12 Jahren ihre Alterssturheit. Sie will nur mehr die Wege gehen, die sie freuen und bleibt auf der Straße stocksteif stehen, wenn es nicht nach ihrem Kopf geht. Sie isst nur, wenn alle äußeren Umstände passen, sie vom Luftzug befreit wird und alle Fenster geschlossen sind.

 

Doch nie würde ich mit einem hundelosen Haushalt tauschen wollen. Wir sind zusammengewachsen. Kälte mögen wir beide nicht. Und wenn ich mir eine Decke nehme, um auf der Couch zu sitzen, braucht sie auch eine. Wenn ich zu lange arbeite und nicht auf Pausen achte, signalisiert sie mir, dass es entweder Zeit für einen Spaziergang oder eine Spieleinheit mit ihrem Dino ist. Wir haben viele Spaziergänge gemacht, sind gemeinsam umgezogen und haben eine neue Gegend entdeckt. Neue Freundschaften wurden geschlossen, besonders auch mit anderen Hundebesitzer:innen in der Straße, die immer nach ihr fragen, wenn man ohne Hund unterwegs ist. Sie hat meine Tinder-Dates begutachtet, ist mir bei Liebeskummer zur Seite gestanden und hat schlussendlich meinen Freund ins Herz geschlossen und ihm auch erlaubt hier zu wohnen – auch wenn sie gerne ihre Seite der Couch behalten hätte.

 

Es gibt keinen Tag an dem ich nicht über sie und mit ihr lachen muss. Weil sie jedes Hundegeschirr- und Leinenanlegen für ein 30-sekündiges Fangenspiel nutzt und mich versucht abzuhängen. Weil sie sich mehrmals am Tag so sehr freut mich zu sehen. Sei es direkt nach dem Augenöffnen, beim Heimkommen oder auch wenn ich nur 5 Minuten den Müll runtertrage. Oder über ihre freundliche Art, sich immer gleich angesprochen zu fühlen, wenn jemand auch nur ansatzweise in ihre Richtung spricht. Was zu Verwechslungen führen kann. Meistens ist trotzdem eine kleine Streicheleinheit von einer ihr vorher fremden Person drin. In der Hundezone beschäftigt sie sich lieber mit den Menschen als mit den anderen Hunden und bringt damit alle zum Lachen, wenn sie sich zum Beispiel selbst auf eine ausgebreitete Decke in der Wiese einlädt und neben einer fremden Person liegt.

 

Hunde die bellen, sind ihr suspekt. Um die macht sie einen Bogen. Auf die Idee auf offener Straße zu bellen, würde sie nie kommen. Bellen ist für drinnen reserviert, wenn jemand am Gang zu laut ist. Oder wenn ich die Wasserschüssel wiederauffüllen muss.

 

 

Wir haben es gemeinsam durch viele schlechte Tage geschafft. Auch durch die Coronazeit. In den Lockdowns hatte ich so wenige andere Interaktionen mit Menschen, dass ich beim Einkauf den Mann vor mir mit einem „Tzzzzzzzzzzzz“-Laut-Hundesignal zum Abstandhalten ermahnt habe, bevor ich auf die Idee gekommen wäre, etwas „in Menschensprache“ zu sagen. Und vor 2 Jahren hatte ich das erste Mal einen Moment, an dem ich realisiert habe, dass ich seit ich sie habe jeden einzelnen Tag draußen war – auch bei Schlechtwetter.

 

Während ich einzelne graue Haare bei mir sichte, färbte sich ihre Schnauze von schwarz auf weiß um. Weiter 12 Jahre gehen sich nicht mehr aus, das wird mir schmerzlich klar. Bis dahin nehmen wir noch viele Abenteuer mit und ich kann wieder schlafen – wenn ich sie neben mir atmen und träumen höre.

Thoughts and Prayers

Stimmen aus dem Team

ist unser neues Format mit dem wir zeigen wollen, wer hinter dem ASH Forum steht und was uns so in unseren Leben beschäftigt.

 


Dieser Beitrag kommt von unserer Bildungsreferentin Vanessa Spanbauer

 

Foto Vanessa Spanbauer

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